Annemarie Straub


Weihnachten: Ein alle Jahre wiederkehrendes Ereignis für viele Menschen über die ganze Welt verteilt. Für viele ein religiöses Fest, immer mehr jedoch vor allem ein familiäres Fest, bei dem man zusammenkommt, gut isst und sich eine Freude bereitet. Was geschieht jedoch mit Weihnachten über die Jahre hinweg? Verändert es sich? Bleibt es immer gleich? Dieser Frage bin ich mit Hilfe von Gesprächen mit zwei Familien nachgegangen – die Ergebnisse können überraschen!

Traditionelle Weihnachten (1867, Autor unbekannt)

Die Konstanz oder eben doch Veränderlichkeit und Anpassungsfähigkeit von Weihnachten bietet viele Möglichkeiten zur sozialwissenschaftlichen Untersuchung. In diesem Essay habe ich mich vor allem auf die Traditionen dieses Festes in der Schweizer Familie und deren Entwicklung konzentriert. Hierzu boten Menschen aus meinem Bekanntenkreis an, ihre Erfahrungen, Vorstellungen und Traditionen zu Weihnachten wie sie es erlebten und heute noch erleben, mit mir zu teilen. Ein Ehepaar, (Herr F.F. und Frau M.F.), beide in den 80ern und eine Freundin (S.A.), Ende 20, boten mir Einblicke in sehr private Momente (wie viele Schweizer finden würden) ihrer Familien zur Weihnachtszeit. Dieses Thema beschäftigt auch die Medien immer wieder, mehrere Schweizer Zeitungen und Zeitschriften führten bereits Umfragen zu diesem Thema durch, welche ich in diesem Essay ebenfalls aufgreife.

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Festessen im engen Familienkreis? (Carl Larsson, 1904)

Das Meinungsforschungsinstitut Demoscope hatte 2015 im Auftrag der Schweizer Illustrierten 1000 Personen ab 15 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz unabhängig von ihrer Konfession zu Weihnachten befragt. «Für drei Viertel der Befragten ist Weihnachten ein Fest der Familie. Nur 18 Prozent sieht den Tag als Erinnerung an Jesu Geburt.» (o.A. 2015). Dies ist ein erstaunlich geringer Anteil an jungen Leuten, die Weihnachten um des ursprünglichen Sinnes willen feiern. Auch in meinen Interviews kristallisierte sich klar heraus: Früher war der religiöse Aspekt von Weihnachten im Vordergrund und sehr präsent, aber in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten ist dieser mehr und mehr verloren gegangen. Bei der Familie F. pflegt lediglich das befragte Ehepaar den Kirchengang an Weihnachten, ihre Nachkommen feiern ohne diesen. S.A. schilderte ähnliches: Während früher (als Vater und Grosseltern noch lebten) immer eine Krippe aufgestellt war, die Weihnachtsgeschichte vorgelesen sowie Lieder gesungen wurden, wird nun doch eher der Fernseher eingeschaltet und gemeinsam gemütlich ein Film geschaut. Eine kleine Krippe, die doch noch auf einem Regal aufgestellt wird, darf aber nicht fehlen.

„Platz für Religion?“ (2015, Baar, S.A.)

„Platz für Religion?“ (2015, Baar, S.A.)

«71 % feiern zu Hause und das an Heiligabend (80 %) und am 1. Weihnachtstag (58 %). Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Werbeagentur Jung von Matt/ Limmat. Das Festmahl darf variieren. […] Lieder singen nur 43 %» (Nikolic 2011).

Auch hier stimmen meine Erkenntnisse aus den Interviews mit den Ergebnissen der Umfrage überein. Bei allen Interviewpartnern kam heraus, dass früher zwar gesungen wurde und sogar Stücke auf Instrumenten vorgeführt wurden, mit der Zeit diese Tradition jedoch fallen gelassen und durch das Abspielen lassen von Weihnachtsliedern ersetzt wurde. Beide Familien feiern jedoch nach wie vor hauptsächlich am 24. und das im engsten Familienkreis, höchstens jeweilige Lebensgefährten sind hierbei noch willkommen. Erstaunlicherweise gab Familie F. an, dass es bei ihnen weder früher noch heute ein spezifisches Weihnachtsmenü gibt. Da immer alternierend bei einem anderen Familienmitglied gefeiert werde, sei die Wahl des Gerichts dem jeweiligen Gastgeber überlassen. Bei S.A. sah es zumindest in ihrer Kindheit dagegen etwas anders aus. Bestimmte Gerichte wurden von Jahr zu Jahr übernommen und werden auch heute noch an Weihnachten verspeist, falls der ursprüngliche Initiator noch mitfeiert.

Schlussendlich haben sich die Traditionen also nicht wirklich geändert, sie haben sich jedoch an die modernen Umstände angepasst. Medien, Multikulturalität und die Entwicklung der Gesellschaft haben mehr und mehr Einfluss auch auf dieses doch sehr privat gehaltene (Familien-) Fest. So sehen es zumindest auch das Ehepaar F. und Frau A.

Frohe Festtage mit einer süssen Note (2015, Baar, S.A.)

Frohe Festtage mit einer süssen Note (2015, Baar, S.A.)

Was wohl allen gemeinsam und eine fest verankerte, unumstössliche Tradition in Schweizer Familien ist, sind die Weihnachts«guetzli»: Zimtsterne, Spitzbuben und Co., die gehören einfach mit dazu – da waren sich auch meine Interviewpartner einig.

 

 

 

 

 


Quellen und Literatur

Bausinger, Hermann. 1997. Das Weihnachtsfest in der Volkskunde: Zwischen Mythos und Alltag. In: Gajek/Faber (a.a.O.), 169–181.

Geiser, Urs: Familien schätzen an Weihnachten die festliche Stimmung. 24.12.2006. http://www.swissinfo.ch/ger/familien-schaetzen-an-weihnachten-die-festliche-stimmung/5645008 [Abgerufen am 19.10.2016].

Leimgruber, Walter. (2010). Feste: Rhythmus des Lebens. In: NIKE Bulletin 1–2/2010, 10–15.

Leinenbach, Bettina: So feiert die Schweiz Weihnachten. 15.12.2014. https://www.migrosmagazin.ch/menschen/interview/artikel/so-feiert-die-schweiz-weihnachten [Abgerufen am 19.10.2016].

Nikolic, Tijana: Weihnachten in der Schweiz. 25.12.2011. https://lapagina.ch/weihnachten-in-der-schweiz/ [Ab abgerufen am 19.10.2016].

o.A.: Wie feiern Sie Weihnachten? 5.12.2014.http://www.srf.ch/news/panorama/wie-feiern-sie-weihnachten [Abgerufen am 19.10.2016].

o.A.: Weihnachten für viele Fest der Familie und nicht Erinnerung an Jesu. 24.12.2015. http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/weihnachten-fuer-viele-fest-der-familie-und-nicht-erinnerung-an-jesu-129942818 [Abgerufen am 19.10.2016].

Interview, S.A., 30.10.2016.

Interview, F.F. und M.F., 02.11.2016.

 

Abbildungen

Bild 1: Familie um Weihnachtsbaum, online: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christmas_Tree_1867.png (8.12.2016).

Bild 2: Festessen im engen Familienkreis?, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Julaftonen_by_Carl_Larsson_1904_edit.jpg ((CC BY-SA 3.0, 8.12.2016).

Bild 3: Kleine Krippe, aus: Platz für Religion (privat, S.A.), Dezember 2015, Baar, Zug.

Bild 4: Guetzli, aus: Frohe Festtage mit einer süssen Note, (privat, S.A.), Dezember 2015, Baar, Zug.