Isabelle Piccand

 


Weihnachtsmärkte und die globale Vernetzung der Welt – wie hängen diese beiden Phänomene zusammen? Mein Essay wird der Frage nachgehen, wie die globalen Einflüsse die Weihnachtsmärkte in Zürich zu beeinflussen vermögen. Denn von der Globalisierung wird auch die Zürcher Alltagskultur nicht verschont. Doch wie wirkt sich eine global vernetzte Welt in unserem unmittelbaren Umfeld aus? Mit dieser Frage habe ich mich in der vorweihnächtlichen Zeit auseinandergesetzt und mich gefragt, wie die Globalisierung die Tradition der Weihnachtsmärkte in Zürich beeinflusst. Um der Fragestellung des globalen Einflusses nachzugehen, habe ich dazu Besucherinnen des Bellevue-Weihnachtsdorfes interviewt, Sandra (28 Jahre) und ursprünglich aus Interlaken, und Paulina (30 Jahre), ursprünglich aus Mexico City. Gerade im Kulinarischen des Dorfs wird die globale Vernetzung sinnlich erfahrbar: «Wir hier in Zürich sind Teil einer global ausgerichteten Weltgesellschaft» (Paulina).

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Zürich, 25.11.2016

Der Weihnachtsmarkt am Bellevue ist als kleines, bewusst verwinkeltes Weihnachtsdorf mit leuchtender Weihnachtsdekoration angelegt, das in warmen und nostalgischen Farben erscheint. Während in Deutschland Weihnachtsmärkte sich themenspezifisch voneinander unterscheiden, gibt es in Zürich einen pragmatischen Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof, wo die Stände ihre Waren in Reih und Glied anbieten sowie seit 2015 den neuartigen Weihnachtsmarkt am Bellevue. Das Bellevue-Organisationskomitee setzt den Schwerpunkt bewusst auf eine grosse Vielfalt an Kulinarik, aber auch auf hochwertige Designerprodukte und die Möglichkeit, sich auf einer Eisfläche dem winterlichen Eissport zu widmen. Kurze nachmittägliche Adventskalender-Konzerte des benachbarten Opernhauses runden das hochwertige Image ab – wer den Bellevue-Weihnachtsmarkt kennt, weiss, dass es ein Weihnachtsmarkt der anderen Art ist.

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Zürich, 25.11.2016

Beide Interviewpartnerinnen sind ausnahmslos begeistert von dem immensen Spezialitätenangebot an diesem Markt. Gerade das internationale Essensangebot, welches sich in allen Variationen und originellen Ausführungen anbietet, ist der Grund, warum der Bellevue-Weihnachtsmarkt so anders und so interessant für Sandra und Paulina erscheint. Wenn man asiatisch essen möchte, dann bietet der Markt nicht nur ein durchschnittliches Thai-Curry, sondern interessante Variationen von Gerichten.

Paulina war ganz angetan von Dim-Sum, Sandra liess sich von einem amerikanischen Pulled-Pork-Burger oder einem japanischen Kobe-Beef Burger begeistern. Sie beide sagen, dass sie immer wieder aufs Neue von der Originalität und Kreativität des Essensangebots überrascht sind. Trotz aller Internationalität darf für Paulina ein Schweizer Raclette oder würziger Glühwein nicht fehlen. Lokales und internationales vereint, das ist das Motto. Auf die Frage, wie sie sich mit der Internationalität des Markts am Bellevue identifizieren können, meint Paulina, dass gerade das kulinarische Angebot aus der der ganzen Welt und die damit verbundene Emotion für ein Gefühl des Globalen sorgt. Auch sei das Zielpublikum sehr interessant; jung, modern, familiär, interessiert und weltoffen. Der Weihnachtsmarkt am Bellevue bringt in seiner Inszenierung als globales Dorf mitten in Zürich die globale Vernetzung Welt mit Hilfe der Kulinarik auf den Punkt.

 


Quellenverzeichnis

 Hirschfelder, Gunther. (2014). Kultur im Spannungsfeld von Tradition, Ökonomie und Globalisierung: Die Metamorphosen der Weihnachtsmärkte. Zeitschrift für Volkskunde (110/1), 1-32.

Interview 1: Paulina DeFuerte, 11.16.16, Zürich Wiedikon

Interview 2: Sandra Bigler, 8.11.16, Zürich Wiedikon

 

Abbildungen

Bild 1: Weihnachtsdorf Bellevue, Zürich, 25.11.16 (Foto: Isabelle Piccand)

Bild 2: Weihnachtsdorf Bellevue, Zürich, 25.11.16 (Foto: Isabelle Piccand)