Marina Krienbühl

 


Zur Weihnachtszeit verwandelt sich das Warenhaus geradezu in ein Schlaraffenland. Vom Duft frischer Lebkuchen bis hin zur weihnächtlichen Gesangsdarbietung – alles ist vorhanden. Diese Reize sollen Konsumenten in weihnächtliche Stimmung versetzen. Ziel solcher Aktionen ist nicht zuletzt das Anregen zum Kauf. Es stellt sich also die Frage, inwiefern eine Reizüberflutung durch weihnächtliche Atmosphäre in Kaufhäusern stattfindet. Neben eigenen Wahrnehmungsspaziergängen tragen persönliche Erfahrungen einer Konsumentin zu den Antworten bei.

 

Das Schenken von Konsumgütern hat sich in unserer heutigen Gesellschaft als Norm eingeschlichen. Der Erwartungsdruck steigt stetig an, sodass mittlerweile auch klare Standards an Geber und Empfänger definiert werden (Bögenhold, 2016). Auf der Suche nach einem passenden Geschenk war schon manch einer der Verzweiflung nah. Gerade in der Weihnachtszeit bieten sich dabei aber Warenhäuser an. In diesem Kontext kam im Gespräch mit der Interviewpartnerin auch die grosse Auslage an diversen Geschenkartikeln zur Sprache. Gezielt werden diese an jeder Ecke präsentiert und sind somit unübersehbar. Bereits zusammengestellte und verpackte Geschenkboxen sollen nicht nur mit attraktiven Preisen locken, sondern einem auch zahlreiche Überlegungen ersparen.

Warenhaus Globus Luzern, 8.11.2016.

Warenhaus Globus Luzern, 8.11.2016.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Verkauf von Geschenkartikeln seitens der Warenhäuser ist nicht mehr wegzudenken, seit sich dieser zu einem erheblichen Umsatzbestandteil entwickelt hat. Fast könnte man von einem «Rausch» sprechen, scheuen doch Konsumenten keine Kosten, um Freunde und Familie zu beschenken. Im Detailhandel machen die Einnahmen in der Zeit um Weihnachten einen Grossteil des Jahresumsatzes aus. Diesen Erfolg haben die Geschäfte nicht zuletzt diversen Marketingstrategien zu verdanken (Bögenhold, 2016). Ein weiterer cleverer Schachzug der Warenhäuser sind saisonale Veranstaltungen. Kunden bekommen nebst Einladungen auch Rabattcoupons, welche an bestimmten Tagen einzulösen sind. Die Warenhäuser locken damit also nicht nur mit Events ins Haus, sondern eben auch mit Preisreduktionen. Neben verkaufsoffenen Sonntagen werden auch vermehrt Öffnungszeiten verlängert, um eine möglichst grosse Kundschaft zu erreichen.

Im Interview wurde auch im Zusammenhang mit der Reizüberflutung von Stress gesprochen. Um genüsslich durch die Gänge spazieren zu können, muss vor allem Zeit vorhanden sein. Durch Wahrnehmungsspaziergänge wurde klar ersichtlich, dass es während der Weihnachtszeit deutlich mehr in Warenhäusern zu sehen gibt als sonst unter dem Jahr. Wer in Eile ist, dem steigt die Atmosphäre schnell zu Kopf. Hohe Besucherzahlen, Weihnachtsmusik und schillerndes Geschenkpapier – gemäss Aussagen meiner Interviewpartnerin kann diese Kombination schnell zu Überforderung führen.

Warenhaus Globus Luzern, 8.11.2016.

Die diversen Reize können von Person zu Person aber unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert werden (Ehrke & Welz 1996). So erwähnte meine Interviewpartnerin auch individuelle Strategien, wie sie diese Reizüberflutung umgehen kann. Geprägt durch ihren Beruf als Handarbeitslehrerin, erwähnte sie das Basteln eigener Geschenke. Somit könnte einem ein hektischer Aufenthalt in Kaufhaus generell erspart bleiben. Eine weitere Variante wäre das frühzeitige Besorgen von Weihnachtsgeschenken. Wer sich bereits im Laufe des Jahres Gedanken über mögliche Geschenke macht, erspare sich deutlich Stress und könne die Weihnachtszeit in vollen Zügen geniessen.

 


 

Quellen und Literatur

Bögenhold, Dieter. (2016). Konsum: Reflexionen über einen multidisziplinären Prozess. Wiesbaden: Springer VS.

Ehrke, Sabine, & Welz, Gisela. (1996). Einkaufen: Ethnographische Skizzen: Konsumentenkulturen in der Region Tübingen (Vol. Bd. 16, Studien und Materialien des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen). Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde.

Interview: K. U., 6. November 2016.

 

Abbildungen

Warenhaus Globus (eigene Aufnahmen, 8. November 2016).