Sara Diggelmann

 


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Abb.: Weihnachtsmarkt am Zürcher Hauptbahnhof, Zürich (Foto: Sara Diggelmann).

Zahlreiche Lichter, Stände, die sich bis ins Unendliche aneinanderreihen, strömende Menschenmassen, der Duft von Glühwein, der sich mit Raclette- und «Öpfelchüechliduft» vermischt: Weihnachtsmärkte gehören mittlerweile genauso zur Vorweihnachtszeit wie Adventskalender und Weihnachtsdekorationen. Heutzutage kann man auf Weihnachtsmärkten beinahe alles kaufen, von Schmuck über Dekorationsgegenstände bis hin zu Haushaltsartikeln. Auch kulinarisch werden an Weihnachten längst nicht mehr ausschliesslich traditionell «winterliche» oder «weihnachtliche» Waren verkauft. Weihnachtsmärkte werden überall auf der Welt, vor allem jedoch in Deutschland, als Touristenattraktionen vermarktet. Doch wo hat der Weihnachtsmarkt eigentlich seinen Ursprung? Hat der Weihnachtsmarkt im Vergleich zu früher einen Imagewechsel vollzogen?

Weihnachtsmärkte, oder auch Christkindlmärkte, haben eine lange Tradition (vgl. Vossen 1985). Es wird behauptet, dass der Münchner Christkindlmarkt bereits 1310 erstmals erwähnt wurde. Vom Nürnberger Christkindlmarkt hingegen weiss man, dass er mindestens auf das 17. Jahrhundert zurückgeht. Der Spielwarenindustrie, die um diese Zeit aufblühte, diente der Weihnachtsmarkt als vortrefflicher Absatzmarkt. Auch in anderen Städten gab es Weihnachtsmärkte. Diese waren häufig auf Plätzen neben einer Hauptkirche platziert, um die Gläubigen vor und nach den Gottesdiensten abzufangen und sie zum Kauf anzuregen. Wie Vossen schreibt, kann man die damaligen Weihnachtsmärkte gewissermassen auch als Vorläufer der heutigen Einkaufszentren und -strassen in der Weihnachtszeit sehen.

Früher wurden an Märkten in der Vorweihnachtszeit nicht nur Lebensmittel und Kleider, sondern auch Back- und Süsswaren und Geschenke für Weihnachten gekauft (Witzmann et al. 2012). Es gab verschiedene Arten von Weihnachtsmärkten, so zum Beispiel Nikolomärkte und Thomasmärkte. Auf den Nikolomärkten wurden vor allem Einkäufe für den Nikolaustag erledigt und die Thomasmärkte, die immer am 21. Dezember durchgeführt wurden, boten noch einmal die Gelegenheit die letzten Einkäufe vor dem Weihnachtsfest zu erledigen. Daneben gab es aber auch Krippenmärkte um Weihnachtskrippen zu kaufen. Als im 19. Jahrhundert der Weihnachtsbaum verstärkt aufkam, wurden auf den Weihnachtsmärkten auch Bäume verkauft (Witzmann et al. 2012).

Heute gibt es in praktisch jeder Stadt einen Weihnachtsmarkt. Meistens beginnen sie einen Monat vor Weihnachten und dauern bis zum 24. Dezember. Das Angebot an den Weihnachtsmärkten umfasst längst nicht mehr nur weihnachtliche Artikel. Auch kulinarisch hat sich das Angebot erweitert: nun findet man am Weihnachtsmarkt im Zürcher Hauptbahnhof beispielsweise auch exotische Speisen. Manche Weihnachtsmärkte haben gar einen Imagewandel vollzogen, wie etwa der neue Weihnachtsmarkt am Bellevue, der besonders internationale und nachhaltige Waren anbietet. Die früheren Weihnachtsmärkte wirken im Vergleich einfacher und mehr auf Alltagswaren ausgerichtet, während man auf heutigen Märkten viele kleinere Geschenke für Weihnachten besorgen kann. Im Allgemeinen kann man wahrscheinlich sagen, dass die Weihnachtsmärkte kommerzieller geworden sind. Ebenso wird wahrscheinlich mehr auf die «weihnachtliche» Dekoration geachtet als früher. Dies wahrscheinlich auch, weil die Märkte immer mehr als Touristenattraktion vermarktet werden. Das Grundkonzept ist im Vergleich zu früher aber immer noch sehr ähnlich, und es scheint nicht so, als ob die Weihnachtsmärkte einen grossen Imagewechsel vollzogen haben: Die Herstellung einer «weihnachtlichen» Atmosphäre, um den Konsum anzuregen, ist nach wie vor wichtig, auch wenn es sich nicht unbedingt um weihnachtliche Produkte handelt.

 

 

 


Quellen und Literatur

Vossen, Rüdiger: Weihnachten in aller Welt. Hamburg: Hans Christians Verlag, 1985.

Witzmann, Nora, Butterweck, Dagmar, Pallestrang, Kathrin, & Österreichisches Museum für Volkskunde: Weihnachten – noch Fragen? (Vol. Bd. 97, Kataloge des Österreichischen Museums für Volkskunde). Wien: Österreichisches Museum für Volkskunde, 2012.

Witzmann, Nora et al.: Weihnachten. Noch Fragen. Wien: Österreichisches Museum für Volkskunde, 2012

 

Medien

Abb.: Weihnachtsmarkt, Zürich HB (Foto: S. Diggelmann).
Soundscape: Weihnachtsmarkt, Zürich HB (Aufn.: S. Diggelmann, 8.12.,2016, früher Abend).