Vanessa Stucki

 


Weihnachten – ebenfalls bekannt als das Fest der Liebe. In der Weihnachtszeit werden Häuser geschmückt, Kekse werden gebacken, Kerzen angezündet, und dem Knistern des Feuers im Kamin lauscht auch zu später Stunde noch die ganze Familie. Im Idealfall eine besinnliche Zeit, welche die Menschen näher zusammenbringt und sie daran erinnert, wie wertvoll Zuneigung doch eigentlich ist. Diesen Eindruck erhält man jedoch nicht bloss aufgrund der Tatsache, dass die Schneeflocken, welche leise auf die Strasse rieseln, eine besänftigende Atmosphäre schaffen. Bereits einige Monate vor den festlichen Abenden, trifft man in den Warenhäusern im Übermass auf Objekte, welche die doch erst gegen Ende des Jahres stattfindende Weihnachtszeit ankündigen.

 

Weihnachtliche Stimmung schon im Oktober. Spar, Speicher AR.

 

Schnell wird man beim Anblick dieser Leckereien an das Schenken erinnert. Diese Intention wird dann umso stärker, je näher das eigentliche Fest rückt. Ich habe zu diesem Thema ein Interview geführt. Die von mir befragte Person (w, 23 Jahre) merkte im Gespräch an, dass die vielen Geschenk-Vorschläge, welche man von den Medien oder auch den Kaufhäusern erhält, ziemlich einengend wirken können. Es entsteht das Gefühl, Schenken zu müssen, was jedoch im Widerspruch zum ursprünglichen Gedanken des Schenkens steht.

Nach Bögenhold (2016) wird mit dem Schenken ein freiwilliges, spontanes sowie auch altruistisches Handeln verbunden. Meine Interview-Partnerin assoziiert diese gute Tat ebenfalls mit der Nächstenliebe. Ihrer Meinung zufolge konzentrieren sich die Menschen immer mehr auf materielle Objekte, wenn es um das Schenken in Bezug auf die Nächstenliebe geht. Die Tatsache, dass das Schenken an sich auch Immaterielles verkörpern kann, wird durch die vielen Angebote zur Weihnachtszeit verdrängt, meint die Interviewte. Man geht automatisch davon aus, dass man zur Geldbörse greifen muss, um eine andere Person glücklich zu stimmen. Dabei sind es oftmals auch die kleinen Gesten, welche viel mehr auslösen können, als ein Gegenstand alleine.

Wie sehr das Schenken wirklich bereits kommerzialisiert ist, wird heutzutage oftmals nicht mehr zur Kenntnis genommen (Bögenhold, 2016). Die Interview-Partnerin war ebenfalls der Meinung, dass man während der Weihnachtszeit in einem Kaufhaus sozusagen in einen Rausch geraten kann, was schlussendlich dazu führt, dass eher die Geldbörse über das Schenken entscheidet und nicht das Emotionale, was uns mit einer Person verbindet. Man hetzt von Geschäft zu Geschäft in der Hoffnung, doch noch das Parfum zu ergattern. „Materielles Schenken gehört schon zu Weihnachten dazu“ (Interview; 09.11.2016) meinte die Interviewte. Der Mensch lässt sich ihrer Meinung nach zu sehr von den ganzen Angeboten ablenken und vergisst dabei oftmals die Kernidee des Schenkens. Man könnte nämlich auch ganz einfach eine gute Tat als Geschenk «verpacken».

Äusserungen im Interview zufolge, sind es auch genau jene Einflüsse der Wirtschaft, die einem unbewusst das Gefühl geben, Schenken zu müssen. Es wird einem durch die Werbung eingetrichtert, man müsse seine Liebsten mit teuren Gegenständen beschenken, ansonsten wird die empfundene Nächstenliebe nicht genügend ausgedrückt und die Betroffenen werden enttäuscht sein. Da natürlich niemand Personen aus seinem engsten Umkreis verletzen möchte, werden zu Weihnachten die Liebsten reichlich beschenkt.

Es ist jedoch ein Umdenken der Industrie festzustellen – weg von den materiellen hin zu den emotionalen Erlebnis-Geschenken. Viele Hotels oder Restaurant bieten Gutscheine für einen unvergesslichen Abend zu zweit oder einen tollen Ausflug an. Auch die befragte Person aus dem Interview empfindet das als guten Kompromiss. Man geht nicht einfach in einen Laden und sucht sich das nächstbeste Geschenkset aus. Viel mehr befasst man sich mit der zu beschenkenden Person und ihren Vorlieben und verbringt Zeit mit ihr. „Gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen sind unbezahlbar“ (Interview, 09.11.2016). Kleine Ironie: Auch bei diesen Angeboten, bei denen sich gemeinsame Erlebnisse und Geschenk verbinden, werden natürlich nicht nur die Liebesten reich beschenkt, sondern auch die Wirtschaft.

 

 

Quellen und Literatur

Bögenhold, Dieter (2016): Schenken als Konsumgenerator. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Interview: Vera Muster (Pseudonym; 09.11.2016).

 

Abbildung

Abb. 1: Weihnachtliche Stimmung bereits im Oktober: Spar, Speicher AR (Foto: V. Stucki, 2016).