Wai-Sim Linde

 


Alle Jahre wieder wird im Dezember Weihnachten gefeiert. Viele Menschen sind in dieser Zeit in irgendeiner Weise von Weihnachten und der Adventszeit beeinflusst. Doch nicht alle Leute feiern aus religiösen Gründen. Daher stellt sich mir die Frage, wie sich die Werte und Bräuche in christlicher und nicht-religiöser Weihnacht unterscheiden. Im Folgenden werden zunächst die als «typisch» geltenden Weihnachtsbräuche aufgelistet, damit man ein allgemeines Bild erhält. Danach wird mit Hilfe eines Interviews und eines Eigenberichts meinerseits eine Übersicht die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen beiden Weihnachtsabenden darlegen. Der Fokus wird auf den Heiligabend gerichtet sein, doch die nachfolgenden Bräuche verteilen sich über die ganze Adventszeit. Darunter finden sich typischerweise der Adventskalender für die Kinder, zur Dekoration der Adventskranz, der Weihnachtsbaum und die Krippe, die Weihnachtspyramide und der Weihnachtsstern (sowohl die Pflanze, als auch die handgemachten Sterne aus Metall oder Stroh). In der Adventszeit vor dem Heiligabend gehören natürlich auch der Nikolaus, der Weihnachtsmarkt und die Weihnachtskarten zu den bekanntesten Bräuchen. An Heiligabend selbst spielen dann das Christkind und der Weihnachtsmann, der Gottesdienst, die Bescherung und das Singen der Weihnachtslieder wichtige Rollen (Kotsch 2003).

Mein Interviewpartner Felix feiert Weihnachten jeweils auf zwei unterschiedliche Weisen: Einerseits mit seiner Mutter und andererseits mit seinem Vater und dessen Partnerin. Da sein Vater auf katholische Art feiert (erst am 26.12., da dann alle Verwandten eingeladen werden), stellt dieses Interview den christlichen Teil der Übersicht dar. Meine Familie und ich dagegen feiern ohne religiösen Hintergrund.

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Abb.1: Reformierte Kirche Versam, Graubünden.

Felix beschrieb «die Bescherung, das Singen und den Gottesdienst» als zelebrierte Bräuche in seiner Familie. Für mich dagegen sind sowohl die Bescherung (das Austauschen der Geschenke), als auch der Weihnachtsbaum wichtig, da darunter die Geschenke gesammelt werden. Früher gehörte der Gottesdienst auch zu den Bräuchen unserer Familie, doch das liegt schon einige Jahre zurück. Auch in Bezug darauf, wie der 24. Dezember abläuft, haben mein Interviewpartner und ich unterschiedliche Ergebnisse: Während er den Ablauf jedes Jahr mit «kochen, essen, singen, Bescherung, Kirche […]» als immer gleich beschreibt, macht es meine Familie folgendermassen: Meine Oma kocht und bereitet sämtliches Essen für den Abend vor, da meine Mutter tagsüber arbeitet. Meistens schmücken mein Opa und ich dann noch auf den letzten Drücker den Weihnachtsbaum, und nach dem gemeinsamen Essen werden die Geschenke verteilt. Danach schauen wir häufig einen Weihnachtsfilm oder spielen zusammen Karten.

Unabhängig von der Religion teilten mein Interviewpartner und ich dieselben Werte und massen ihnen dieselbe Bedeutung zu. Das wichtigste für uns ist das Beisammensein innerhalb der Familie. Ausserdem empfinden wir es beide als schön, dass Geschenke ausgetauscht werden und dass man gemeinsam das Weihnachtsessen zu sich nimmt.

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Abb.2: Weihnachtsbaum und Geschenke.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass sich die beschriebenen Weihnachtsabende zwar in ihren Abläufen leicht unterscheiden, gar nicht jedoch im Hinblick auf die gemeinsam verbrachte Zeit in der Familie. Der religiöse Hintergrund bei Felix‘ Heiligabend zeigt sich nur im Besuch des Gottesdienstes und dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern. Natürlich kann man aus diesem einzelnen Fall nicht verallgemeinernd annehmen, dass es sich um die generelle Situation an Heiligabend handelt. Es sollte lediglich verglichen werden, wie sich religiöse und nicht-religiöse Weihnachtsabende unterscheiden – oder vielmehr sich gleichen können.

 

 


Quellen und Literatur

Kotsch, Michael (2003). Weihnachten. Herkunft, Sinn und Unsinn von Weihnachtsbräuchen. Hammerbrücke: Jota Publikationen.

Interview,  Felix Schönenberger, 24 Jahre, Student, 07.11.16.

 

Abbildungen

Abbildung 1: Weihnachtsbaum und Geschenke. Versam, Graubünden. (Foto: Linde Wai-Sim Linde, 24.12.2015).

Abbildung 2: Reformierte Kirche von Versam, Graubünden. (Foto: Wai-Sim Linde, 12.11.2016).