Cécile Kuhn

 


Liest man in populären Medien die Erinnerungen von Menschen, welche in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gelebt haben, dann begann die Weihnachtszeit dort im Gegensatz zu heute frühestens am ersten Advent und nicht schon im September, wenn die ersten Supermärkte Lebkuchen und Weihnachtsmänner aus Schokolade im Sortiment anbieten [1]. Auch das Christentum und Religion per se waren dem Arbeiter- und Bauernstaat suspekt. Es wurde nicht sehr viel Wert auf dieses wichtige Fest der Christenheit gelegt [1]. Noch dazu führte die allgemeine Versorgungslage, die eher knapp ausfiel, die Bürger vor eine grosse Herausforderung. Es musste, wie so oft, improvisiert werden [2]. Dieses Essay behandelt an Hand von populären Texten Weihnachten in der DDR.

Aus heutiger Sicht teils erheiternd sind die Unterschiede, mit denen das Fest an die offizielle Politik angepasst wurde. Statt vom Weihnachtsmann sprach man in der DDR von Väterchen Frost, der zwar aus Russland, aber auch als recht rot-weiss gekleideter Mann mit Bart daher kam – fast wie in der Coca-Cola-Werbung. Auch das uns bekannte Christkind spielte keine grosse Rolle. Im Handel wurde dieses anscheinend sogar Jahresendfigur mit Flügeln genannt [1].

Der Christbaum war schlichtweg ein Weihnachtsbaum und wurde aus einem nächstgelegenen Wald gefällt oder auch gekauft. Da die Bäume aus dem Erzgebirge jedoch oft mickrig gewesen seien, wurden oft zwei Bäume geholt. Kunstvoll wurden die guten Zweige des einen Baumes abgesägt und in den Stamm des andern eingeklebt oder in kleine Löcher gesteckt. Was den Baumschmuck betrifft, so war Zinnlametta Mangelware. Meist wurde es nach den Festtagen vom Baum genommen und verwahrt. Zum nächsten Weihnachtsfest soll es in manchen Familien mit dem Bügeleisen wieder glatt gebügelt worden sein, auf dass es wie neu vom Baum glänze [2].

Was das Essen anbelangt, so war ein Weihnachten ohne Stollen in der DDR undenkbar. Für diesen wurden die Zutaten schon Monate vor Weihnachten gesammelt. Jedoch waren bestimmte Zutaten wie Sultaninen oder Zitronat sehr schwer zu besorgen. Als improvisierter Ersatz für Zitronat zum Beispiel wurden grüne Tomaten kandiert [2]. Setzte sich die Familie an Heiligabend zusammen, so gab es meist Kartoffelsalat mit Würstchen und dazu ein paar Gewürzgurken. Lediglich einmal und einfach aus dem Grunde, weil man es sich nicht anders leisten konnte, wurde ein Braten aufgetischt. Dabei handelte es sich auch eher um eine Gans aus Ungarn als eine deutsche Ente [3].

Reimann (2015) erklärt auch, dass insbesondere während der Weihnachtszeit die Anzahl Pakete aus dem «Westen», d.h. von Verwandten aus der BRD, mit der Aufschrift Geschenksendung! Keine Handelsware! zunahm. Neben Kaffee, Zigaretten und Damenstrümpfen spielten auch die Zutaten für den Stollen eine wichtige Rolle. Die Pakete waren für die Bürger essentiell im alljährlichen Versorgungsmarathon.

Wurde das Weihnachtsfestmahl verzehrt, versammelte sich die Familie im Wohnzimmer vor dem Weihnachtsbaum, genoss die Gemeinsamkeit zu Weihnachtsliedern und tauschte die Geschenke aus. Nicht anders als in anderen Teilen der Welt oder heute – bloss ein wenig improvisierter. [3]

 

 


Quellen und Literatur

[1] Kühnert, Kirsten (2015): Weihnachten in der DDR: Ein ganz persönlicher Rückblick. Amiga-Schallplatten, online: https://www.amiga-schallplatten.de/weihnachten-in-der-ddr/ (8.12.2016).

[2] MDR (2011): Damals im Osten: Weihnachten in der DDR – Improvisieren für das Fest, online: http://www.mdr.de/damals/archiv/artikel92306.html (8.12.2016).

[3] Reimann, Marieke (2015): Weihnachten in der DDR. Zeit online, online: http://ze.tt/weihnachten-in-der-ddr/ (8.12.2016).

In einem persönlichen Gespräch, mit einer aus der DDR stammenden Familie, an Heiligabend konnte ich die beschriebenen Phänomene verifizieren.